Dresscode für klassische und moderne Krawatten
Wann trägt man Krawatte und wann nicht? Im Business gehört der Binder grundsätzlich dazu, doch auch im privaten Bereich gibt es nach wie vor einige Krawattenanlässe.
Zum einen sind dies familiäre Festivitäten wie Hochzeiten, Taufen,
Geburtstagsfeiern oder Jubiläen. Wann immer etwas im größeren
Rahmen begangen wird, wäre ein Binder angemessen. Nicht nur, um den festlichen
Charakter der Gelegenheit zu unterstreichen, sondern auch, weil die Krawatte
den Respekt vor dem Gastgeber und der Mühe, die er sich mit der Feier
gemacht, zum Ausdruck bringt.
Eine traurige Feierlichkeit wie eine Beerdigung erfordert eine schwarze Krawatte
oder ein feines, dunkles Dessin, das von weitem wie ein dunkles Grau wirkt.
Weitere private Anlässe, bei denen die Krawatte angebracht ist, sind
aufwändigen Essenseinladungen bei Freunden oder Bekannten, der Besuch
eines schicken Restaurants, einer Bar oder eines Zigarrenclubs sowie Theater-
oder Opernabende.
Ansonsten empfiehlt sich die Krawatte, wenn wir als Privatmann geschäftlich
auftreten, z. B. beim Gespräch mit der Bank über einen Kredit, beim
Autokauf, beim Anwalt oder beim Notar. Hier signalisiert die Krawatte Kompetenz,
Souveränität oder sogar Bonität, sie kann insofern bares Geld
wert sein. Ob die Krawatte beim Date angebracht ist, hängt vor allem
davon ab, wo es stattfindet. Planen Sie ein romantisches Candlelight-Dinner,
wäre sie auf jeden Fall das Tüpfelchen auf dem i.
Doch welche Krawatte nehmen Sie zu welchem Anlass? Die Auswahl scheint auf
den ersten Blick endlos groß. Bei genauerem Hinsehen kann man aber Grundmuster
erkennen, in die sich jedes Design mühelos einordnen lässt. Und
jedes dieser Grundmuster hat eine bestimmte Aussage, so wie auch jede Farbe
eine modische Botschaft enthält. Wer seine Krawatte dessen eingedenk
wählt, kann sie zum Markenzeichen der eigenen Persönlichkeit machen.
Die wichtigsten Grundmuster und Ihre Wirkung
Einfarbige Krawatten
Einfarbige Krawatten – bedruckt oder gewebt - gibt es in fast allen
Schattierungen und zahlreichen Webarten. In jedem Fall erleichtert der Uni-Binder
das Kombinieren mit dem Anzug und dem Hemd. Das heißt nicht, dass einfarbige
Krawatten ein unsicheres Händchen für Mode verraten, im Gegenteil.
Der uni dunkelblaue Binder aus Jacquardseide war die Understatement-Krawatte
der Stil-Ikone Gianni Agnelli.
Was sagt der Dresscode?
Büro: Ja, z. B. in Marineblau oder Weinrot.
Schick essen gehen: Ja, auch in helleren Tönen.
Festlicher Tagesanlass: Ja, z. B. in gedeckten Blau- und
Rottönen.
Gepflegter Wochenendlook: Ja, z. B. in Rostbraun oder Grün.
Gestreifte Krawatten
Meist in gewebter Seide, als Regimentskrawatte oder als Fantasiestreifen
bieten gestreifte Krawatten eine ganze Welt von Möglichkeiten. Gestreifte
Krawatten signalisieren, dass ihr Träger Sinn für die Tradition
der angelsächsischen Bekleidungskultur hat, gleichzeitig erlauben sie
es auch dem eher konservativ gekleideten Mann, durch leuchtende und gewagte
Farbzusammenstellungen Profil zu zeigen.
Was sagt der Dresscode?
Büro: Ja. Bei wichtigen Meetings eher in gedeckten Farbkombinationen.
Schick essen gehen: Ja. Alle Farben sind möglich.
Festlicher Tagesanlass: Ja, aber in gedeckten Tönen.
Gepflegter Wochenendlook: Ja, in ländlichen Kombinationen
mit Grün, Weinrot, Braun oder Gelb.
Allover Muster und Motive
Allover steht für Muster und Motive, die den Binder gleichmäßig
bedecken, z. B. winzige Fische. Insgesamt wirken Allover-Muster immer ein
wenig unruhig und manche Zeitgenossen empfinden sie nicht gerade als den Gipfel
des guten Geschmacks. Dabei kommt es aber wirklich allein darauf an, was da
im Miniaturformat zu sehen ist. Unbekleidete Frauen oder Dollarzeichen wirken
sicherlich weniger sophisticated als Dessins z. B. aus dem Tier- oder Pflanzenreich.
Was sagt der Dresscode?
Büro: Ja, am besten auf dunkelblauem oder weinrotem
Fond.
Schick essen gehen: Ja, auch in helleren Tönen.
Festlicher Tagesanlass: Ja, mit gedecktem Grundton.
Gepflegter Wochenendlook: Ja, am besten mit grünem oder
braunem Grundton.
Krawatten mit Punkten
Ein Klassiker und in allen Punktgrößen zu haben – als Druck
oder Jacquard. Die Faustregel: Je größer der Punkt, desto gewagter.
Klassische Farbstellungen sind weiße Punkte auf Dunkelblau oder leuchtendem
Rot, für den Sommer auch kleine weiße Tupfen auf Pink oder Hellgelb.
Doch es sind noch viel mehr Farbkombinationen möglich, denn die Punkte
müssen ja nicht nur in Weiß daherkommen.
Was sagt der Dresscode?
Büro: Ja, z. B. in Dunkelblau oder Schwarz mit weißen
Tupfen.
Schick essen gehen: Ja, je nach Jahreszeit auch mit hellerem
Fond.
Festlicher Tagesanlass: Ja, aber nur mit feinen Pünktchen
auf dunklem Grundton.
Gepflegter Wochenendlook: Nein.
Paisley Krawatten
Es gilt als typisch britisch, doch das Paisleymuster stammt eigentlich aus
dem Orient. Die wild wirbelnden Fruchtbarkeitssymbole wirken am besten auf
pudrig-matter Seide. Fürs Business eignen sich diese Muster nur in eher
dezenten Varianten und in geschäftstauglichen Grundtönen wie Weinrot
oder Dunkelblau. Zum Sportsakko passen dagegen Paisleys in kräftigen
Braun-, Grün- oder Gelbtönen.
Was sagt der Dresscode?
Büro: Nur in gedeckten und dezent dessinierten Varianten.
Schick essen gehen: Ja, auch mit kräftigen Rot- und
Gelbtönen.
Festlicher Tagesanlass: Ja, allerdings besser mit gedeckteren
Farben.
Gepflegter Wochenendlook: Ja, denn das ist die eigentliche
Domäne dieses Musters.
Krawatten mit geometrischen Mustern
Manche sind so raffiniert gewebt, dass sie fast dreidimensional wirken,
andere flimmern Schwindel erregend. Solche Augentäuscher-Effekte machen
geometrische Muster immer zum Hingucker, allerdings sollte man seinem Gegenüber
beim Business-Lunch oder am Verhandlungstisch keine allzu hypnotischen Dessins
zumuten. Am stilvollsten sind Muster, die auf den ersten Blick dezent aussehen
und nur bei näherer Betrachtung ihre Raffinesse verraten.
Was sagt der Dresscode?
Büro: Ja, aber mit dezentem Dessin.
Schick essen gehen: Ja, aber nur unauffällige Varianten,
die Ihr Gegenüber nicht ablenken.
Festlicher Tagesanlass: Ja, z. B. mit silbrigem Grundton.
Gepflegter Wochenendlook: Nein.
Krawatten mit großen Motiven
Vom Hawaiibinder mit Palme und Sonnenuntergang der vierziger Jahre bis hin
zum Souvenir aus dem Louvre mit der Mona Lisa vorne drauf – Motivkrawatten
gibt es in allen Geschmacksrichtungen von Kitsch bis Kunst. Im Gegensatz zum
Allover-Muster wird die Motivkrawatte in der Regel von einem einzigen, großen
Bild dominiert, das nicht wiederholt wird. Wer solche Krawatten mag, sollte
sie mit Bedacht auswählen. Ein gigantischer Kaktus in Giftgrün ist
bestimmt witzig, im Geschäftsleben würde er aber eher für skeptische
Blicke sorgen.
Was sagt der Dresscode?
Büro: Besser nicht.
Schick essen gehen: Ja, aber mit nicht allzu auffälligem
Motiv.
Festlicher Tagesanlass: Nein.
Gepflegter Wochenendlook: Nein.
Krawatten mit Phantasiemuster
Bei den Phantasiemustern kann sich der Modemacher so richtig austoben -
floral, organisch fließend, klein oder riesengroß. Deshalb ist
der Begriff „Designerkrawatte“ bei Freunden der klassischen Garderobe
auch durchweg negativ belegt. Nicht ganz zu unrecht, denn so mancher Designer
will mit seinem Entwurf vor allem eins: Aufsehen erregen. Konservative Krawattenträger
möchten in der Regel aber genau das vermeiden.
Was sagt der Dresscode?
Büro: Nicht in konservativen Branchen.
Schick essen gehen: Ja, ganz nach Geschmack.
Festlicher Tagesanlass: Nein.
Gepflegter Wochenendlook: Nein.
Krawatten mit Schottenkaros
Ein weiter Begriff, denn es gibt Hunderte davon. Trotzdem weiß jeder
sofort, was gemeint ist: Eine Krawatte in Kilt-Optik. Unter den auf alles
Britische versessenen Italienern ist sie ein begehrter Klassiker, der ganz
selbstverständlich auch zum dunkelgrauen Geschäftsanzug getragen
wird. Jenseits des Ärmelkanals wäre dies jedoch ein Fauxpas, denn
dort sind Tartanbinder dem Landleben vorbehalten. Hierzulande signalisiert
eine schottisch karierte Krawatte Sinn für Individualität und Mut
zum eigenen Stil.
Was sagt der Dresscode?
Büro: Ja, allerdings nur „leise“ Tartans,
wie z. B. Blackwatch.
Schick essen gehen: Ja, ruhig auch in starkfarbigen Dessins.
Festlicher Tagesanlass: Nein.
Gepflegter Wochenendlook: Ja, am besten in erdigen Naturtönen.
Krawatten mit Glencheck, Pepita, Hahnentritt und Co.
Was dem Anzug recht ist, kann der Krawatte nur billig sein. Deswegen finden
wir viele Sakkodessins auf der Krawatte wieder, meist als schwere Jacquardgewebe.
Da sie meistens sehr unruhig sind, eignen sie sich vor allem zur Kombination
mit einfarbigen Hemden und großflächig gemusterten Anzugstoffen.
Ein klassisches Beispiel wäre die silbrig-graue Glencheck-Krawatte zu
weißem Hemd und dunkelgrauem Kammgarnstoff mit Nadelstreifen.
Was sagt der Dresscode?
Büro: Mit blauem, weinrotem oder silbrig-grauem Fond
und kleinem Dessin.
Schick essen gehen: Ja, in ähnlichen Farben wie fürs
Büro.
Festlicher Tagesanlass: Ja, z. B. ein feiner Glencheck oder
ein schimmerndes Pepita.
Gepflegter Wochenendlook: Ja, allerdings auf braunem oder
grünem Fond mit größerem Muster.